{"id":2502,"date":"2016-02-03T18:42:22","date_gmt":"2016-02-03T17:42:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.werkhaus.com\/en\/?p=2502"},"modified":"2016-02-03T22:11:11","modified_gmt":"2016-02-03T21:11:11","slug":"architectural-critique","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/news\/architectural-critique\/","title":{"rendered":"Architectural critique"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: center;\">A critical appraisal by Prof. Christoph Hackelsberger<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div class=\"separator\">\n<h3>Auszug aus der S\u00fcddeutschen Zeitung, 38. Jahrgang<\/h3>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1320 size-full\" src=\"https:\/\/www.werkhaus.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/hacki_0_sz_lrneu.jpg\" alt=\"Hacki_0_SZ_LRneu\" width=\"1600\" height=\"880\" srcset=\"https:\/\/www.werkhaus.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/hacki_0_sz_lrneu.jpg 1600w, https:\/\/www.werkhaus.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/hacki_0_sz_lrneu-300x165.jpg 300w, https:\/\/www.werkhaus.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/hacki_0_sz_lrneu-1024x563.jpg 1024w, https:\/\/www.werkhaus.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/hacki_0_sz_lrneu-1200x660.jpg 1200w, https:\/\/www.werkhaus.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/hacki_0_sz_lrneu-800x440.jpg 800w, https:\/\/www.werkhaus.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/hacki_0_sz_lrneu-385x212.jpg 385w, https:\/\/www.werkhaus.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/hacki_0_sz_lrneu-400x220.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/p>\n<div class=\"separator\">\n<h3>W\u00fcrdigung zur Er\u00f6ffnung des Ausstellungshauses 1996<\/h3>\n<\/div>\n<p><strong>Fertigh\u00e4user der Sonderklasse,<\/strong> Fachwerkh\u00e4user von WerkHaus<\/p>\n<div class=\"twocolumn\">\n<p>Vierzehn Jahre ist es her, da\u00df ich \u00fcber das Musterhaus der M\u00fcnchner &#8220;WerkHaus GmbH&#8221; nach einem sonst nicht gerade Enthusiasmus ausl\u00f6senden Besuch der M\u00fcnchner Fertighaus-Ausstellung im Bauzentrum an der Radlkoferstra\u00dfe nur Gutes zu berichten hatte.<br \/>\nDie Kolumne &#8220;Ein Architekt sieht M\u00fcnchen&#8221; hat die S\u00fcddeutsche Zeitung inzwischen aufgegeben, die Fachwerkh\u00e4user von &#8220;WerkHaus&#8221; wurden aber nicht nur weiterhin gebaut, sie sind noch besser, gediegener und sch\u00f6ner geworden.<\/p>\n<p>Vor kurzem ist an die Stelle des alten ein neues Musterhaus, eine konsequente Weiterentwicklung, wiederum eine Holzfachwerkkonstruktion mit besonders sorgf\u00e4ltigen Details, dazu mit anregenden Ideen f\u00fcr die Gestaltung des r\u00e4umlich integrierten Hausumgriffs, fertig geworden und stellt sich nun seinen Bewunderern, die hoffentlich zahlreich von diesem exquisiten Angebot Gebrauch machen, aber auch jenen, die auf derart diszipliniert-disziplinierende Architektur mit ihrer Offenheit und Klarheit eher skeptisch reagieren.<\/p>\n<p>Eines sei gleich angemerkt, dies Haus stellt Anspr\u00fcche an seine Bewohner, an ihre Kultiviertheit, ihr Selbstbewu\u00dftsein. Vergleicht man es mit den \u00fcblichen landauf- landab konventionell errichteten Einfamilienwohnh\u00e4usern, welche nebenbei gesagt, im letzten Jahrzehnt wesentlich wohnlicher geworden sind und gemessen am Alltagsangebot der \u00fcblichen Fertighaus-Hersteller gar nicht schlecht abschneiden, so ist diese Architektur auf eine dezente, geistvoll-intelligente Art, ohne jede Aufdringlichkeit, weit herausragend.<br \/>\nDie Vielfalt der gestaltbaren W\u00fcnsche \u00fcberrascht vor allem dann, wenn die Chancen auch eines kleinen Grundst\u00fcckes f\u00fcr die sich anbietende Aussenraumgestaltung, das sich Durchdringen von Aussen- und Innenr\u00e4umen, gekonnt genutzt werden.<\/p>\n<p>Denkt man \u00fcber das nach, was hier Gestalt gewonnen hat, so liegt es nahe, einige generelle \u00dcberlegungen anzustellen, zun\u00e4chst zum Bauen mit Holz, mit St\u00e4ben \u2013 das ist n\u00e4mlich Fachwerkbauen \u2013 und F\u00fcllungen zwischen den St\u00e4ben. Welche Chance, so fragt man weiter, hat heute eigentlich das Fertigbauen, und zuletzt ist noch in Kurzform einiges zur Geschichte der Wohn-grundrisse anzumerken und zum heutigen individuellen Wohnen in fast offenen, flexibel trennbaren, aber grunds\u00e4tzlich flie\u00dfenden R\u00e4umlichkeiten.Holz ist ein Urbaustoff. Die \u00e4ltesten bislang ausgegrabenen, Schl\u00fcsse erlaubenden Hausspuren, so die H\u00fctte von Terra Amata bei Nizza, 400.000 Jahre alt, weisen auf das Bauen mit St\u00e4ben hin. Aus H\u00f6lzern ein Gestell bauen, \u00fcber dies die unterschiedlichsten, abdichtenden und sch\u00fctzenden Stoffe ziehen, das war eine der ersten Verfahrensweisen, das Artefakt Behausung herzustellen. Holz ist tragf\u00e4hig, stabil, relativ leicht und dazu genau bearbeitbar. Holzh\u00e4user sind entgegen vielen Bef\u00fcrchtungen sehr haltbar, wenn auf richtige Verwendung des Materials geachtet wird. Holz ist wohnphysiologisch, aber auch psychologisch &#8220;warm&#8221; und darin eigentlich kaum zu schlagen. Trotzdem wurde es im Laufe der Baugeschichte durch Zunahme des monumentalen Steinbaus der Obrigkeit und der h\u00f6heren St\u00e4nde, zum Armutbaustoff. Dieses Vorurteil ist bei weltl\u00e4ufigeren Menschen l\u00e4ngst nicht mehr zu beobachten, w\u00e4hrend die Holzbauversuche der letzten Jahre im Sozialbereich noch immer alten Bewertungen gem\u00e4ss als Billigbauweisen verd\u00e4chtigt und abgelehnt werden. So kann Holz bei uns heute als Baumaterial der Elite gelten.<\/p>\n<p>Weltweit ist Holz der beliebteste, \u00fcbrigens auch f\u00fcr Wohnzwecke meistgenutzte Baustoff \u00fcberhaupt. Unter immer gewichtige werdenden \u00f6kologischen Gesichtspunkten ist Holz , das in nachhaltiger Waldwirtschaft gewonnen wird, von der Energiebilanz her durch kein anderes Material zu \u00fcbertreffen. Holzwirtschaft und Holzbau sind bei Lichte besehen optimale Nutzungen der Solarenergie, W\u00e4lder wirken durch Sauerstoffproduktion, Aufnahme von Stickoxyden, Regulierung des Feuchtigkeitshaushaltes und durch Einfl\u00fcsse auf das Mikro- und Makroklima samt Biotopgew\u00e4hrung als riesige &#8220;Chemiekonzerne&#8221;, Kl\u00e4ranlagen und Luftverbesserungsfilter, deren Rentierlichkeit kaum zu ermessen ist. Das Wissen dar\u00fcber verbreitet sich. Es w\u00e4re allerh\u00f6chste Zeit, daraus die Konsequenzen zu ziehen und so viel als m\u00f6glich, mit Holz zu bauen.<\/p>\n<p>Die &#8220;WerkHaus&#8221; &#8211; Architekten tun dies l\u00e4ngst in hoher Qualit\u00e4t, traditionell und modern zugleich und ihre aufgeschlossenen Kunden wissen dies sichtlich zu w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>Noch einmal; Es ist, nat\u00fcrlich unter Ausblendung wirtschaftlicher Einsichten in unsere herrschenden Verh\u00e4ltnisse, zuletzt unverst\u00e4ndlich, da\u00df nicht viel mehr mit Holz gebaut wird.<br \/>\nTrotz der Werbebotschaften aus vielen Richtungen, die alle mit der Nat\u00fcrlichkeit dieses und jenes Materials aufgeladen werden, ist Holz der geeignetste und vern\u00fcnftigste nat\u00fcrliche Baustoff, der beste unter den wenigen, die dieses Pr\u00e4dikat verdienen.<br \/>\nWas bei gekonnten Holzkonstruktionen besonders begeistert, ist das optimale Verh\u00e4ltnis zwischen Aufwand und Ertrag. Mit wenigen Kubikmetern Holz ist ein gro\u00dfes, solides Fachwerkhaus zu errichten. Die Gefache zwischen vertikalen und horizontalen H\u00f6lzern, zwischen St\u00fctzen und R\u00e4hm, lassen sich beliebig f\u00fcllen. Sie sind beim neuen Haus auf der Baumusterschau meist aussen mit Glas gef\u00fcllt.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"separator\">\n<h3><\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"twocolumn\">\n<p>Eine uralte, technisch aktualisierte und verfeinerte Konstruktion trifft in diesem Fall mit dem modernsten Fl\u00e4chenbaustoff, der gerade in den letzten Jahren eine atemberaubende Qualit\u00e4tssteigerung, was D\u00e4mmeigenschaften, Stabilit\u00e4t und Verwendungsf\u00e4higkeit angeht, hinter sich gebracht hat. Dies erm\u00f6glicht technisch und \u00e4sthetisch eine neue Dimension des Wohnens. Es ist heute kein Problem mehr, ein rundum verglastes Haus so zu d\u00e4mmen, und andererseits auch zur passiven Energiegewinnung zu bef\u00e4higen, da\u00df die strengen Normen der Energieeinsparung erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Dazu ist Glas \u2013 der einstige Luxusbaustoff \u2013 heute, alle Kosten eingerechnet, ein ebenso preisg\u00fcnstiger wie strapazierf\u00e4higer Baustoff.<\/p>\n<p>Genug davon an dieser Stelle. Nun zum Fertigbau:<br \/>\nDie angebotenen Fertigh\u00e4user sind sichtlich nicht alle auf gleichem Niveau angelangt. Vieles wirkt inkonsequent. Der Versuch, Massivbau oder im Fall von Holzh\u00e4usern alte Blockbaukonstruktionen zu imitieren, zeigt, da\u00df Hersteller und Nachfrager dem traditionellen Haus- und Wohnbegriff verhaftet sind und da\u00df von beiden Seiten vor allem \u00fcber Ersatzvornahme und wirtschaftliche Vorteile nachgedacht wird.<\/p>\n<p>Die H\u00e4user der &#8220;WerkHaus GmbH&#8221; sind im Rahmen der gebotenen Qualit\u00e4t ebenfalls h\u00f6chst wirtschaftlich, gewinnen indes ihre Wertigkeit dar\u00fcber hinaus vor allem durch die Verwirklichung der modernen, individuellen, unserer Zeit entsprechenden \u00e4sthetischen Wohnw\u00fcnsche. Ihre geschickte, variable Grundkonstruktion des Holzfachwerkes, der Balkendecken und elementierten Dachplatten sind nicht Imitate traditioneller Bauweisen, sondern Zeugnisse des bautechnischen Fortschritts. Dazu geh\u00f6rt, da\u00df jedes Haus individuell im Zusammenwirken von Bauherr und Architekt konzipiert wird. Diese hohe Variabilit\u00e4t w\u00e4re noch vor drei\u00dfig Jahren nicht m\u00f6glich gewesen. Damals war der Gedanke der m\u00f6glichst gro\u00dfen Serie vorherrschend. Dies gilt heute nicht mehr. Die entwickelte Planung wird \u00fcber Diskette den Vollautomaten im Zimmereibetrieb , der Fensterbauer usw. eingegeben, die dann aus bestem Material \u2013 anderes bekommt den wertvollen Maschinen schlecht \u2013 sei es schichtverleimtes oder kerngetrenntes Holz, die Werkst\u00fccke mit unwahrscheinlicher Pr\u00e4zision fertigbearbeiten.<\/p>\n<p>Henry Fords ber\u00fchmt gewordener Ausspruch, er liefere Autos in jeder Farbe, vorausgesetzt, sie sei schwarz, diese unnachahmlich verk\u00fcrzte Beschreibung der Serienfertigung, ist \u00fcberwunden. Heute regiert ein konstruktives Grundprinzip und hervorgehend daraus herrscht Variabilit\u00e4t, ohne da\u00df dies , nat\u00fcrlich bei gleicher Gr\u00f6\u00dfe und gleichem Materialverbrauch, Mehrkosten verursacht.<br \/>\nTrotz solcher Vielfalt sind die Fertigungszeiten im Werk und auf der Baustelle, wo noch immer Bodenplatte oder Keller von Vertragsfirmen, den \u00f6rtlichen Gegebenheiten angepasst, gebaut werden m\u00fcssen, aufs \u00e4u\u00dferste verk\u00fcrzt. Fast umgehend kommt alles unter Dach. All die Wirrnis, das Zerst\u00f6rerische, welche normale Baustellen kennzeichnen, weicht rational organisierter Abfolge. Die in K\u00fcrze der Fertigungs- und Montagezeiten erreichte und auch vor zwischenzeitlicher Besch\u00e4digung bew\u00e4hrte Qualit\u00e4t bei g\u00fcnstigen Kosten, spricht f\u00fcr diese Art von Fertigbau.<\/p>\n<p>Wer sich bei fast \u00fcberall nachlassender handwerklicher Leistung, deren Minderqualit\u00e4t trotz Verrechtlichtung des ganzen Bauvorganges gar nicht zu bremsen ist, mit den unterschiedlichen, vor allem aber terminlichen Problemen auf konventionellen Baustellen kleinerer Geb\u00e4ude herumschlagen mu\u00df, kann die Vorteile intelligent konzipierter Fertigbauweise gar nicht deutlich genug hervorheben.<\/p>\n<p>Dazu kommt ein Weiteres, Entscheidendes: die Kostensicherheit. Ein seri\u00f6ser Fertighaushersteller wird die vereinbarten Kosten einhalten. Sein Kunde braucht sich nicht daf\u00fcr zu interessieren, von wie viel Zulieferern die Vorleistungen erbracht werden, er kauft ein definiertes Produkt . Im Falle eines konventionellen Hausbaus beauftragt er mit nicht selten ungerechtfertigtem Vertrauensvorschuss eine Vielzahl von Einzelgewerken, in seinem Namen und f\u00fcr seine Rechnung ein Unikat herzustellen. Das ist riskant. Wenn nicht ganz ungew\u00f6hnliche W\u00fcnsche vorherrschen, legen Zeit- und Geldbudget es eher nahe, sich trotz aller Konventionen in dieser Sache eines bew\u00e4hrten Produktes zu bedienen. Dies f\u00e4llt nat\u00fcrlich umso leichter, wenn ein Erzeugnis so hochwertig und dazu variabel ist, wie das bei WerkHaus der Fall ist.<\/p>\n<p>Nichts ist ohne Fehl und Nachteile. Oder sollte es gerade dieses Fachwerkhaus sein, das diese Regel durchbricht?<br \/>\nNat\u00fcrlich nicht. M\u00f6gliche Nachteile liegen indes auf einer anderen Ebene und nicht in der \u00c4sthetik der Architektur, nicht in der Qualit\u00e4t, schon gar nicht in der Typisierung der Konstruktion und in der mit modernsten Fertigungsmethoden erreichten Vielfalt der m\u00f6glichen individuellen L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Wenn \u00fcberhaupt, dann geht es um die Gestaltung des Grundrisses, die jetzt kurz beleuchtet werden soll.<br \/>\nIm 18.Jahrhundert dachte man angestrengt dar\u00fcber nach, wie wohl das &#8220;Urhaus&#8221; ausgesehen h\u00e4tte. Niemand bezweifelte, da\u00df es einr\u00e4umig gewesen sei. In Wirklichkeit gab es nat\u00fcrlich vor Jahrunderttausenden kein &#8220;Urhaus&#8221;, sondern eine Vielfalt unterschiedlicher, von den \u00f6rtlichen, klimatischen Bedingungen und solchen der Materialbeschaffung, der Gruppengewohnheiten usw. abh\u00e4ngiger und diesen mehr oder weniger gut entsprechender H\u00e4user. Eine Annahme unserer Vorfahren mitten in der Aufkl\u00e4rung aber war richtig: Die urt\u00fcmlichen Behausungen waren einr\u00e4umig. Erst differenzierte Entwicklung, zun\u00e4chst im Lebensbereich der h\u00f6heren St\u00e4nde, im 19.Jahrhundert f\u00fcr den Mittelstand und die besitzb\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung, danach in unseren n\u00f6rdlichen Bereichen so gut wie f\u00fcr alle, brachte Mehr- bis Vielr\u00e4umigkeit des Wohnens hervor.<br \/>\nZun\u00e4chst wurden R\u00e4ume gereiht, addiert, dann wurde die Erschlie\u00dfung mittels ausgegliederter Verkehrsfl\u00e4chen wichtig.<\/p>\n<p>Sensationell war die Entdeckung des japanischen Wohnhauses auf den spektakul\u00e4ren amerikanischen Weltausstellungen des ausgehenden 19.Jahrhunderts. Dies Vorbild, vor allem, was den Grundriss anlangte, machte dann Frank Lloyd Wright vor allem in Deutschland bekannt, als er 1910 seine ber\u00fchmten, japanisch beeinflussten &#8220;Prairieh\u00e4user&#8221; im Wasmuth-Verlag in Berlin in einem Prachtband ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"separator\">\n<h3><\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"twocolumn\">\n<p>Diese Publikation war einer der wesentlichsten Schritte auf dem Weg zum neuen, lebensreformerischen Wohngef\u00fchl in offenen, flie\u00dfenden Grundrissen.<\/p>\n<p>Die Architekturmoderne, eine elit\u00e4re Bewegung, mit dem starken sozialen Sendungsbewusstsein f\u00fcr eine planvolle Lebenserneuerung, erblickte in dieser Grundrissgestaltung, welche so gar nicht europ\u00e4ischer Herk\u00f6mmlicheit entsprach, ein erhebliches Befreiungspotential. Vor allem Le Corbusier war mit seiner Erfindung der St\u00fctzen \u2013 Platten \u2013 Konstruktion, die den sogenannten &#8220;plan libre&#8221;, also den bis auf Installationskerne ungebundenen offenen Grundriss m\u00f6glich machte, bahnbrechend. Der damaligen Avantgarde war wichtig, da\u00df diese Art von Grundrissen den Bewohnern eine neue Lebensweise, vor allem ein ver\u00e4ndertes Sozialverhalten abfordern w\u00fcrde, als die herk\u00f6mmlichen Raumfolgen des \u00fcblichen B\u00fcrger- oder auch Kleinb\u00fcrgerhauses des ausgehenden 19.Jahrhunderts. So wurde der freie Grundriss mit seinen flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4ngen zum Programmbestandteil der Erneuerung der Gesellschaft und des Lebensgef\u00fchls.<\/p>\n<p>Etwas von der zeremoni\u00f6sen, disziplinierten Verhaltensweise des traditionellen Japan mit seiner Samurai-Tradition ist gefordert, wenn man H\u00e4user mit solch gro\u00dfz\u00fcgiger Offenheit, mit Raumfluchten, verschmelzendem Innen- und Au\u00dfenraum bewohnen will. Da kann nicht jeder Bewohner zum Beispiel sein L\u00e4rmbed\u00fcrfnis ausleben, wie in einem abgeschotteten, mit Aufwand gegen Luft- und K\u00f6rperschall ged\u00e4mmten Massivbau.. Wenn in diesen harmonischschwebenden Raumgebilden einer &#8220;Heavy Metall&#8221; h\u00f6rt, so h\u00f6ren dies alle. R\u00fccksichtsvolles Sozialverhalten geh\u00f6rt eben zur Kultur des Bewohnens.<\/p>\n<p>Dies muss der Vorsicht halber angemerkt werden, und genau das ist der Grund, warum Menschen, die sich au\u00dferhalb ihrer vier W\u00e4nde notgedrungen den Bedingungen eines relativ engen Zusammenlebens f\u00fcgen, zu Hause aber ein g\u00e4nzlich kontr\u00e4res Verhalten bevorzugen, H\u00e4user mit solch gro\u00dfz\u00fcgig offen Grundrissen ablehnen. Andererseits gehen solche Bef\u00fcrchtungen meist auf fehlende Wohnerfahrungen und damit auf Vorurteile zur\u00fcck. Tats\u00e4chlich kann man, wie am Musterhaus festzustellen ist, auch durch geschickte Grundrissanordnung und geeignete Materialwahl Schallproblemen erfolgreich begegnen und zudem ist das Bausystem so anpassungsf\u00e4hig, da\u00df es sich ebenso f\u00fcr traditionelle Aufteilung in einzelne R\u00e4ume mit separater Erschlie\u00dfung eignet.<\/p>\n<p>Nun zur Kurzbeschreibung:<br \/>\nVieles wurde bei den allgemeinen \u00dcberlegungen schon vorweggenommen und angesprochen. Es war die Rede von der Konstruktion, von der erstaunlichen Qualit\u00e4t der Ausf\u00fchrung und von den Eigenheiten des Grundrisses. Einiges bedarf aber noch der Erg\u00e4nzung.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist die \u00e4u\u00dfere und innere Harmonie, der Rhythmus der Konstruktion der dunkelgr\u00fcnen schichtverleimten Holzst\u00fctzen- und Balken, der gl\u00e4sernen oder geschlossenen Wandfl\u00e4chen. Es gibt kein Detail, das nicht mit Sorgfalt, unter Wahrung h\u00f6chster Qualit\u00e4t, ja fast kostbar, gel\u00f6st wurde.<\/p>\n<p>Angefangen von den makellos furnierten, raumhohen T\u00fcren mit ihren Edelstahlbeschl\u00e4gen, den Fu\u00dfbodenbel\u00e4gen, Naturstein oder dazu passende Auslegeteppiche, den leicht laufenden Schiebet\u00fcren, die \u00f6ffenbaren riesigen Au\u00dfenwandfenster, den Armaturen insgesamt, bis zu den Sanit\u00e4robjekten, bis zur Treppenkonstruktion, alles ist gediegen, zugleich erlesen und geschmackvoll, dazu von hoher Brauchbarkeit und Funktionalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist im Musterhaus, das liegt im Wesen eines solchen Vorzeigeobjektes, einiges auf Schau gemacht, so die Badezimmereinrichtung des G\u00e4steapartments oder, welche Hausfrau putzt gerne die sechs Edelstahlbecken der Waschtische. Diese \u00dcberr\u00fcstung zeigt indes, dass Vereinfachung dem Ganzen nur bekommen kann. Die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, der man schon an der Haust\u00fcr begegnet, ist diesem Haus kaum auszutreiben, nicht, wenn es einfacher ausgestattet, nicht, wenn es um die H\u00e4lfte kleiner gebaut wird. Das ist eine Mitgift, deren Wert nur ermessen kann, wer die Kleinlichkeit vieler Wohnverh\u00e4ltnisse kennt, die au\u00dfer einem \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Wohnzimmer mit meist falscher Lichtf\u00fchrung nur Enge und Umst\u00e4ndlichkeiten aufweisen.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Hinweis noch zur Gr\u00f6\u00dfe: Das Musterhaus hat ca. 245 Quadratmeter. Die modulare, also auf einem Grundsystem aufgebaute Bauweise b\u00fcrgt aber daf\u00fcr, da\u00df wesentlich kleinere H\u00e4user mit etwa 120 Quadratmeter Wohnfl\u00e4che keineswegs beengt wirken. Der Wunsch, kultiviert zu leben, zu wohnen, ist also sehr wohl erschwinglich. Betrachtet man das Gebotene, so sind<br \/>\nDM 410.000,- f\u00fcr ein Haus mit 120 Quadratmetern und 650.000,- bis 750.000,- DM f\u00fcr eines mit 120 Quadratmeter Wohnfl\u00e4che mehr, sehr gute, solide Angebote, die sich nur im l\u00e4ndlichen &#8220;Selbst- und Schwarzbau&#8221; bei weit geringerer Originalit\u00e4t und Qualit\u00e4t des Endproduktes unterbieten lassen.<\/p>\n<p>Es ist ein Vergn\u00fcgen, dies Haus zu sehen, begehen und kritisch betrachten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Leserinnen und Leser dieses Berichts sollten sich dies nicht entgehen lassen, auch wenn sie vielleicht gar keine Bauabsichten haben. Sie werden ein St\u00fcck gelungener Architektur unserer Zeit antreffen, eine Umgebung gehobener Alltagskultur unserer Tage sehen, und selbst wenn sie anderen Sinnes sind, vielleicht begreifen, was das Anliegen der Architekturmoderne war und weiter ist: Freiheitlich in sozialer Bindung und bewusstes Erleben des Daseins zu vermitteln.<\/p>\n<p>Christoph Hackelsberger<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A critical appraisal by Prof Christoph Hackelsberger<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2509,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-2502","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-architektur-en"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2502"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2517,"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2502\/revisions\/2517"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.werkhaus.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}